Der blasse Reinhard Grindel

Als DFB-Boss vertritt Reinhard Grindel den Verband üblicherweise auch in den FIFA-Sitzungen. Das jüngste Ereignis um die Absetzung der beiden federführenden Personen in der FIFA Ethik-Kommission wirft aber auch ein schlechtes Licht auf unseren Deutschen Vertreter.

Was war passiert? In einer Sitzung präsentierte Gianni Infantino die Namen der künftigen Ethik-Kommission. Die beiden wichtigsten Personen, Cornel Borbély und Hans-Joachim Eckert, waren auf dieser Liste nicht mehr zu finden. Beide gingen maßgeblich gegen die mafiaähnlichen Strukturen im Verband vor, noch dutzende Fälle lagen auf ihren Schreibtischen.

Einspruch gab es nach Aussagen von Grindel von ihm selbst und von seinem amerikanischen Kollegen. Möglicherweise war da noch der ein oder andere mehr.

Da die FIFA vielen anderen, teils deutlich kleineren Verbänden ein gleiches Mitspracherecht einräumt, ist es gut vorstellbar, wie die beiden alleine mit ihrer Meinung da gestanden haben. Die Sache war beschlossen.

Reinhard Grindel kann man aber durchaus ankreiden, dass er sich öffentlich nicht eindeutig positioniert. Wird es ungemütlich, verweist er einfach auf Infantino. Man solle ihn doch zu dem Thema befragen. Aber ist das nicht zu einfach?

Diese Vorgehensweise kennen wir schon aus der Vergangenheit. Höchst umstrittene FIFA-Entscheidungen werden vom DFB, wenn überhaupt, nur zwischen den Zeilen kritisiert. Dabei wäre es an der Zeit, der FIFA in aller Öffentlichkeit die Stirn zu bieten. Aber das könnte zum Problem für den DFB werden. Also schweigt man sich lieber aus.

Infantino`s schwaches Argument zur Neubesetzung war, dass man solche Posten nicht nur Europäern überlassen darf, dass würde zu Unmut in anderen Verbänden führen. Grindel`s einzige direkte Kritik in der Öffentlichkeit ging auf eben diesen Punkt ein. Man hätte wenigstens einen der beiden weitermachen lassen können. Grindel sagt damit also aus: Einer wäre besser als keiner. Am besten wären aber die Besten. Und das sind nun mal Borbély und Eckert gewesen.

Und nun kommt das spannendste Detail. Zwei Europäer weg, eine Kolumbianerin rein und, festhalten, einen Griechen. Die gehören, trotz einiger Turbulenzen, ja noch immer zu Europa. Aber Infantino würde das vielleicht auch als Fake News abtun. Folgt man also Grindel, hätte man an dieser Stelle tatsächlich Borbély oder Eckert in ihrer Position belassen können. Darum ging es aber nie.

Fakt ist, Grindel beweist einmal mehr, dass es eine ganz offensichtliche und starke Abhängigkeit von der FIFA gibt. Aus irgendwelchen Gründen will man sich nicht klar positionieren. Das ist nichts neues. Und das macht es auch so schlimm. Die FIFA schafft die Ethik ab und die Verbände schauen zu. Die Motivation dahinter könnte eindeutiger kaum sein.

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