Das falsche Märchen von Evi Sachenbacher-Stehle

Die 1980 geborene Evi Sachenbacher-Stehle legte geradezu eine wintersportliche Bilderbuchkarriere hin. Der beeindruckende Medaillenschrank im Skilanglauf, um nur ein paar der wichtigsten Erfolge zu nennen, umfasst zwei Gold- und drei Silbermedaillen bei olympischen Spielen und da haben wir noch nicht über die Weltmeisterschaften gesprochen (1x Bronze, 4x Silber, 1x Gold).

2012 wechselte Sachenbacher-Stehle in den Biathlon-Sport und da dürfte sie bei den meisten auch in Erinnerung geblieben sein. Vor allem als die Athletin, die den Sport wechselte, oder sagen wir zumindest auf das Schießen erweiterte – und eben auch als die Athletin, die gedopt war. Immerhin stand bei den olympischen Spielen in Sotchi 2014 ein vierter Platz zu Buche, den sie vor allem durch eine überragende Laufleistung erreichte und somit ein eher desolates Schießen ausglich. Offenbar aber zu viel der Wunder.

Im Anschluss an das Rennen wurden bei einer Dopingprobe Spuren von Methylhexanamin gefunden. Bei dem gefunden Stoff handelt es sich um einen Fatburner, der, wie so häufig, die Sauerstoffkapazität erhöht. Die Substanz wird oft in Nahrungsergänzungsmitteln zugesetzt.

Es lag daher auch Nahe, das Sachenbacher-Stehle sich darauf bezog, ganz offenbar unbewusst ein Nahrungsergänzungsmittel zu sich genommen zu haben, dass um Methylhexanamin angereichert war. Das Präparat soll sie von einem privaten Ernährungsberater erhalten haben. Warum dieser jedoch nie angeklagt wurde, denn das wäre es wohl, was man machen würde, wenn man vorsätzlich „vergiftet“ wird, spricht Bände. Geglaubt hat ihr offenbar trotzdem keiner, und selbst wenn, verurteilt wurde sie trotzdem. Erst Schloss der Olympische Sportbund Sachenbacher-Stehle von den Spielen aus. Dann, noch am gleichen Tag, verlor sie den erkämpften vierten Platz im Massenstart.

Noch im selben Jahr wurde sie für zwei Jahre von der Internationalen Biathlon-Union gesperrt. Das war im Juli, die Sperre wurde rückwirkend auf die Olympischen Spiele im Februar des gleichen Jahres angerechnet. Beim internationalen Sportgerichtshof legte Sachenbacher-Stehle im November Einspruch ein und ihre Strafe wurde reduziert, u
nd nun kommt das wichtige Detail, auf sechs Monate. Da diese Zeit bereits vergangen war, war sie theoretisch sofort rehabilitiert. Der ganze Kampf war, zumindest für die sportliche Zukunft, nicht viel wert, denn noch im selben Monat verkündete sie ihr Karriereende. Warum also das ganze Theater? Vermutlich stolz – und vermutlich ein Versuch den Beweis zu erbringen, dass da doch nichts war. Ihre offizielle Homepage besteht noch, mit letzten Einträgen aus 2014. Sie könne sich überhaupt nicht erklären, wie es zu der positiven Dopingprobe kam. Angeblich habe sie auch die Präparate vorab im Labor testen lassen, ohne entsprechende Hinweise auf illegale Substanzen zu finden. Ist es das, was der Sportler heutzutage selbst in die Hand nimmt? Private Laboruntersuchungen von Nahrungsergänzungsmitteln?

Was in der Öffentlichkeit weniger bekannt ist und was wenig diskutiert wurde:

  • Bereits angesprochen: Wer war der Ernährungsberater? Berät er noch andere Athleten?
  • Warum wurde die Strafe so drastisch verkürzt? Etwa, weil es kein öffentliches Interesse mehr gab, oder weil die Anschuldigungen nicht stand hielten?
  • Ist es nicht paradox, dass Sie Ernährungswissenschaften studierte?
  • Kurz vor den Olympischen Spielen 2006 wurde bei Sachenbacher-Stehle ein erhöhter Hämoglobin-Wert festgestellt, worauf eine fünftägige Schutzsperre folgte. Trotz Einspruch lehnte der internationale Sportgerichtshof ab, die Sperre zu revidieren. Teilnehmen durften sie an der Olympiade dennoch, denn bis dahin war der Wert wieder unter den Grenzwert gesunken.

Unlängst darf nicht vergessen werden, dass Sachenbacher-Stehle in ihrer aktiven Zeit der Sportfördergruppe der Bundeswehr angehörte. Es ist daher unnötig zu erwähnen, dass es sich hierbei auch um einen Empfänger von Steuergeldern handelte.

Es gibt aber auch eine andere Seite, und fairerweise muss auch diese erwähnt werden, da sich auch damit die großen Medien nicht mehr befassten. Schon zu den Verhandlungen vor dem Sportgerichtshof konnte Sachenbacher-Stehle Informationen einholen, die sie möglicherweise tatsächlich entlasten. Zumindest folgte der Sportgerichtshof dieser Argumentation. Durch einen verunreinigten Tee soll die Substanz in ihren Körper gelangt sein. Plötzlich kein Nahrungsergänzungsmittel mehr? Da war sie sich doch nach offiziellen Aussagen so sicher. Tatsächlich erhielt die Herstellerfirma eine Ordnungsstrafe, es muss also etwas dran sein, an der Geschichte mit dem Tee. Was auch im öffentlichen Kontext entlastend wirkt, hat aber dennoch einen letzten Haken: Warum wurden andere Athleten nicht positiv getestet? Denn diese tranken den gleichen Tee, wie selbst Sachenbacher-Stehle in einem Interview mit der Augsburger Allgemeinen eingestand.

Wie es ihr heute geht, skizziert die Augsburger Allgemeine in einem Interview mit der Familienmutter Sachenbacher-Stehle.

http://www.augsburger-allgemeine.de/sport/Evi-Sachenbacher-Stehle-Neues-Leben-mit-Baby-Glueck-id37128822.html

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