Football Leaks – Die Abgründe des Fußballs

Mit großer Aufmerksamkeit haben wir hier beim Sauberen Sport die Veröffentlichung des ersten Buches zu den berühmten Football Leaks verfolgt. Ein Buch, dass sich nicht nur mit den bösen Machenschaften im Profi-Fußball beschäftigt, sondern vor allem auch die journalistische Herangehensweise an das Thema erklär: Der Drahtseilakt, mit einem Leaker zu arbeiten.

Ein riesengroßer Datenschatz
 
Den Autoren Buschmann und Wulzinger vom SPIEGEL gelang es nach einigen Anläufen den für die Leaks verantwortlichen John zu kontaktieren und sein Vertrauen zu gewinnen. John war natürlich nur ein Deckname. Was zaghaft begann, entwickelte sich offensichtlich zu einer vertrauensvollen Zusammenarbeit. Hunderte von Gigabyte an Fußball-Daten wurden dem SPIEGEL übermittelt. Verträge über Verträge, ein Sumpf tiefer als der andere.
Ich stelle mir vor, wie Buschmann damals ausgesehen haben muss. Erst weiß man nicht so richtig, worauf man sich eigentlich einlässt und einige Zeit später besitzt man den größten Schatz der Fußballgeschichte. Das schlimme daran: Der Schatz birgt einen Abgrund nach dem anderen.
Mafiöse Strukturen im Fußball? Der Fußball ist die Mafia!
 
Während man aus den Fußballstadien die Unkenrufe über die Fußballmafia DFB gewohnt ist, dürfte auch in anderen Ländern der Fußball so langsam sein Saubermann-Image verloren haben. Nicht zuletzt dank FIFA und UEFA. Uns jedenfalls hat es erstmal nicht aus den Socken gehauen, dass Ronaldo Million über Million am Fiskus vorbeizuschleusen scheint. Erstaunt hat uns viel eher, wie skrupellos, wie verschwiegen und wie gesellschaftsfremd der Fußball wirklich ist.
Glaubt man den SPIEGEL-Enthüllungen, sind nicht nur Privatdedektive und die Polizei hinter den Leakern her, sondern auch Auftragsmörder. Was auf den ersten Blick irgendwie absurd klingt, macht nach jeder Seite dieses Werks immer mehr Sinn. Es geht um Macht und Machterhalt, um Geld und um eine Parallelgesellschaft. Jeder der hier quer schießt, ist ein Problem. Zur Not muss man eben hart durchgreifen.
Don Fußball dein Pate
 
Auf der anderen Seite stehen die Spieler, Manager, Spielervermittler und Geldgeber. Renditegeile Banditen beuten diesen Sport so sehr aus, dass einem beim Lesen die Kinnlade herunterklappt. Ist der Fußball wirklich so kaputt? Ohja!
Selbst die großen Saubermänner des deutschen Fußballs kommen dabei nicht gut weg. Klaus Allofs? Macht nur Geschäfte mit einem windigen Spielervermittler. Karl Heinz Rummenigge? Beruft Geheimkonferenzen mit den größten Club-Bossen Europas ein, um den Leak zu finden. Das Loch muss gestopft werden, koste es was es wolle.
Sponsoren, Spieler, Spielervermittler, Manager, Fußballclubs – Alle, wirklich alle hängen mit drin
 
Das bittere Fazit am Ende des Buches erschleicht den Leser Seite für Seite. Spielervermittler? Die größten Banditen im Fußball! Verträge werden so aufgesetzt, dass der Abgang des Spielers schon vorbereitet ist, bevor er überhaupt richtig in einem Verein angefangen hat. Illegale Mitverdiener inklusive.
Manager? Sie kennen das Problem, sind oft aber machtlos. Wer im großen Zirkus mitspielen will, muss die Regeln befolgen. Da dürfen absurde Transfersummen und Prämien nicht fehlen. Am halten sie aber das Rad am Laufen.
Fußballclubs? Bezahlen Gehälter auch schon mal über Umwege in Steuer-Oasen. Freilich immer so, dass man sagen kann, man habe von nichts gewusst.
Sponsoren? Denen ist wirklich alles egal. Im Fußball gibt es Glanz und Gloria. Da spielt man doch gerne mit. Überweisungen in Steuer-Oasen, naja, nicht so gerne gesehen. Da muss schon ein Zwischenmittler irgendwo in Europa her. Dass man am Ende nichts von einer Steuer-Oase geahnt habe? Alles zu einfach, aber einfach genug, damit es rechtlich in Ordnung ist. 1 Milliarde Euro für einen exklusiven Deal mit Real Madrid? Für Adidas kein Problem.
Und dann kommt John
 
John also wackelt am Fußball-Elfenbeinturm. Wie er so beschrieben wird, offenbar jung, fußballbegeistert, intelligent, eloquent, lebensfroh – kaum zu glauben, dass er auf den Stress Lust hast. Aber er hat die Daten. Und zieht den Hass einer milliardenschweren Branche auf sich. Daran droht er immer wieder selbst zu zerbrechen. Wer auf der Abschussliste steht, dürfte einen immensen Druck auf den eigenen Schultern tragen. Irgendwie bitter, wie ein Spiel so absurde Züge annehmen kann.
Während die Fußballwelt also immer noch Rätselt, wie die Leaks zu stoppen sind, erzählen Buschmann und Wulzinger, wie die große, europaweite Veröffentlichung koordiniert wird. Man muss dazu sagen, die Datenmenge ist so groß, da braucht es schon ein europäisches Journalistenkonsortium, um jemals einen Überblick zu bekommen. Der Druck außen steigt plötzlich immens an. Der Fußball startet Finten. Andere Zeitungen drohen Storys früher zu veröffentlichen und damit die ganze Arbeit zunichte zu machen. Gekauft von König Fußball. Was für ein Irrsinn.
Und am Ende, wenn man dieses journalistische Achterbahnfahrt durch hat, in der man vor allem viel über jenen John erfährt, der für so viel Angst und Schrecken sorgt, zusätzlich immer wieder mit absurden Geschichten aus dem Fußballgeschäft gefüttert wurde und da anlangt, wo Rummenigge so nervös geworden ist, freut man sich dann, dass John den nächsten Datensatz bereithält. Noch mehr Skandale, die alle erst kommen. Von denen wir jetzt noch nichts wissen und an denen in Hamburg in der SPIEGEL Zentrale möglicherweise zur Stunde fieberhaft gearbeitet wird.
Sind wir ehrlich mit uns: Wir alle wissen spätestens seit Blatter und Platini, dass im Fußball ein krankhafter Virus umhergeht, der diesen Sport kaputt macht und ihm seine ganze Freude nimmt. Nein, man muss es drastischer ausdrücken. Ein Virus, der den Fußball von innen langsam zerfrisst, bis nur noch eine Geldmaschine übrig bleibt. Noch gehen wir alle ins Stadion. Die Fans, die echten Leute, die, die für die Gesellschaft und das Gemeinwohl ebenso wie für das eigene Glück jeden Morgen aus dem Bett klettern. Wofür? Um Stars zu bejubeln, die ihr Geld nicht versteuern und uns alle bescheißen. Das wird alles irgendwann krachend zusammenbrechen. Aber es wird wohl noch eine Weile dauern. Menschen wie John werden dafür sorgen, dass es einen nicht enden wollenden Strom an Wahrheiten geben wird, die der Fußball lieber für sich behalten hätte.
Bis es soweit ist, müssen sich die großen Sender wie SKY oder das ZDF fragen, warum man die Bosse in den Interviews nicht regelmäßig damit konfrontiert. Vermutlich leben da auch die eigenen Interessen über der Wahrheit.
Fazit: Ein Must-Read für jeden Fußballfan, der wissen will, was hinter den verschlossenen Türen passiert.

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